Von Limburg bis Bad Ems (Etappe 6)

Nach einer erholsamen Nacht im himmlischen Bett unserer schicken Penthousewohnung wache ich viel früher auf als meine beiden Mitreisenden. Ich setze mich mit meinem Tagebuch an den Tresen unserer Kochzeile und halte die gestrigen Eindrücke fest. Gegen 7 Uhr breche ich zu dem nahegelegenen Bäcker auf, auf den uns gestern unser junger Vermieter aufmerksam gemacht hat, von dem er aber nicht sicher wusste, ob es ihn noch gibt. Ich entscheide, vorsichtshalber mit dem Rad zu fahren. Unsere Räder durften wir unten im edlen, schwarz gekachelten Eingangsbereich des Hauses abstellen. Erst als ich schon unterwegs bis, merke ich, dass ich den Akku noch gar nicht wieder eingesetzt habe. Er hängt noch oben in der Wohnung am Ladegerät. Zum Glück lässt sich ein E-Bike auch ohne Motor fahren. Das Treten fällt allerdings deutlich schwerer als bei einem normalen Rad, weil einfach ein viel größeres Gewicht zu bewegen ist. Nach wenigen hundert Metern erreiche ich die Bäckerei, die es tatsächlich noch gibt. Sie hat schon seit 6 Uhr geöffnet. Ich stelle eine schöne Auswahl verschiedener Brötchensorten zusammen. Quark und Butter haben wir gestern schon im Supermarkt für unser Frühstück besorgt. Mehr brauchen wir nicht. Johannes hat immer einen gewissen Vorrat an Nutella dabei und ich reise nicht ohne mein Chillipulver, mit dem ich mein allmorgendliches Quarkbrötchen bestreue.

Frühstück in der Limburger Luxuswohnung

Als ich in die Wohnung zurückkomme, haben Johannes und Röbi schon den Frühstückstisch gedeckt. Röbi hatte Kaffeepads und Teebeutel im Küchenschrank entdeckt und schon unsere Getränke bereitet. Traurig zwar, die schöne Wohnung schon gleich wieder verlassen zu müssen, genossen wir aber ausgiebig dieses Frühstück in der hochwertigen Umgebung. Wir schmierten uns wie üblich auch für das Mittagspicknick ein Brötchen und packten dann unsere Sachen zusammen.

Die heutige Tour erklären wir zu unserer letzten. Für morgen ist ein ganz schrecklicher Regentag angekündigt. Wir nehmen uns vor, bis Bad Ems zu fahren, was etwa 55 km wären. Von dort werden wir dann mit der Regionalbahn über Koblenz bis Köln bzw. Essen fahren. Sollte es allerdings schon heute zu regnen anfangen, wollen wir abkürzen und in Nassau übernachten. Wir freuen uns sehr auf die heutige Strecke. Dieser untere Abschnitt der Lahn soll landschaftlich besonders herrlich sein.

Lahnradweg im April zwischen Limburg und Bad Ems

Der Radweg führt wieder kilometerlang unmittelbar neben der Lahn entlang. Ich halte ziemlich häufig an, um die malerischen Fotomotive nicht vorüberziehen zu lassen. Meine beiden Begleiter nervt das bisweilen ein wenig. Allerdings benutzt Röbi gerne meine Fotos in seinen sozialen Medien und erhält sogar von professioneller Seite Lob insbesondere für obiges Foto „Lahnradweg im April“. Einmal sind Röbi und Johannes schon ziemlich weit vorausgefahren und halten schließlich an, um auf mich zu warten. Als ich sie erreiche, finde ich sie im Gespräch mit einem anderen Radwandererpaar. Es handelt sich zu meiner Freude um unsere Freunde von gestern. Die beiden beklagen sich über die schlechte Unterkunft, die sie in Limburg vorgefunden haben. Wir dagegen schwärmen von unserer außergewöhnlichen Entdeckung. Ich zeige ihnen das Bild, das ich gestern auf der Brücke von ihnen aufgenommen habe. Sie lassen es sich gerne per Handy zukommen von mir. Wie wir haben auch die beiden vor, heute bis Limburg zu fahren.

Paddler auf der Lahn bei Dietz

Die Lahn ist hier viel belebter als im oberen Teil. Kanufahrer begrüßen uns vom Wasser aus herzlich mit fröhlichem Winken. Bei Dietz verlässt der Radweg einmal die Lahn und wir verpassen leider den richtigen Abzweig zurück an die Lahn. Viel zu spät argwöhnen wir, dass wir falsch fahren. Wir schauen bei Komoot nach und müssen leider feststellen, dass wir weit ab vom Radweg sind, der inzwischen sogar auf der anderen Lahnseite verläuft. Passanten bieten uns ihre Hilfe an. Von ihnen erfahren wir, dass ein langes Stück des Lahnradweges hier gesperrt ist wegen umgefallener Bäume. Wir könnten aber über den Berg nach Balduinstein fahren, wo es eine Brücke über die Lahn gebe. Da würden wir wieder auf den Radweg stoßen. Es gehe allerdings sehr steil bergauf. Unter Hinweis auf unsere Motoren erklären wir, das mache uns rein gar nichts aus.

Abstecher vom Lahradweg auf den Sangertberg

Es geht wirklich kontinuierlich bergauf bis wir schließlich auf einer Bergkuppe mit atemberaubendem Ausblick ankommen. Von hier aus lassen wir uns in Schussfahrt nach Balduinstein hinabrollen. Dabei streift unser Blick das Schloss Schaumburg auf einem Berggipfel und eine wuchtige Burgruine gleich neben uns. Wir landen unten am Lahnufer in einem schön angelegten Park und sind so durchgefroren, dass wir zuerst einmal nach einem Café Ausschau halten. Ein Café gibt es nicht, aber im gastfreundlichen Hotelrestaurant Balduin erhalten wir den ersehnten Kaffee in gemütlicher, warmer Stube.

Die Brücke von Balduinstein ist die einzige Brücke über die Lahn zwischen Dietz und der 13 km weiter unten befindlichen Brücke in Gabelstein-Hölloch. Wir überqueren die Lahn und stoßen auf der anderen Seite wieder auf den Lahnradweg. Von hier aus präsentiert sich Balduinstein nochmal äußerst fotogen mit der imposanten Burgruine im Hintergrund.

Baduinstein mit Burgruine vom Lahnradweg aus gesehen

Der Lahnradweg folgt weiterhin in dichtem Abstand den Schleifen der Lahn. Zum ersten Mal passieren wir eine Schleuse. Gegen Mittag durchfahren wir ein kleines Wäldchen und halten schon Ausschau nach einem Rastplatz. Schon erblicken wir den idealen Platz. Eine einladende Bank mit Blick auf die Lahn thront einige Meter über dem Wasser an der Böschungskante einer Blumenwiese. Nur leider handelt es sich um ein Privatgelände mit einer halb verfallenen Hütte. Wir sagen uns, dass nicht gerade jetzt der Eigentümer auftauchen wird und breiten und auf der Bank mit unseren Vorräten aus. Herrlich sitzen wir hier inmitten von Vogelgezwitscher und Flussplätschern und genießen die Mitnehmbrötchen. Wir bedauern nur ein wenig, dass wir die halbe Flasche Wein von gestern Abend in der Ferienwohnung zurückgelassen haben.

idyllische Bank mit Lahnblick zwischen Limburg und Nassau

Plötzlich nähert sich auf dem Waldweg ein Traktor. Der wird doch wohl hoffentlich nicht genau hier auf dieses Grundstück fahren wollen. Doch so ist es. Er biegt vom Waldweg ab und schwenkt auf die Blumenwiese ein. Unsere drei E-Bikes stehen offensichtlich genau im Weg. Wir bieten an, die Räder weg zu fahren. Der Traktorfahrer winkt aber ab. Auf unsere Frage, ob wir dort sitzen bleiben dürfen, antwortet er: „Ja natürlich! Sie dürfen sogar hier übernachten, wenn Sie wollen.“ Dann macht er Kehrt mit seinem Traktor, winkt uns noch einmal zu und fährt wieder davon. Seine Äußerung macht uns nachdenklich. Vermutlich war er aus Sorge hergekommen, hier wolle jemand auf seinem Grundstück campieren.

Wir setzen die Fahrt fort. Bei Obernhof überqueren wir wieder die Lahn und stoßen auf der anderen Seite auf ein Hinweisschild, das uns über eine Vollsperrung des Lahnradweges zwischen Obernhof und Nassau wegen eingestürzter Wege informiert. Als einzige Alternative schlägt man uns vor, bis Nassau bitte die Bahn zu benutzen. Wir entscheiden, über die Landstraße bis Nassau zu fahren. Es sind nur 6 km. Schön ist es allerdings nicht, auf der Landstraße zu fahren, wenn diese auch nah neben der Lahn verläuft. Wir wundern uns über das regennasse Straßenpflaster. Nasses Nassau. Als wir die Stadt erreichen, kommt uns eine Radlergruppe mit Regencapes entgegen. Wir fragen einen von ihnen, ob es geregnet habe. Und ob, erfahren wir. Es sei ein furchtbarer Platzregen herunter gekommen. Wie gut, dass wir in Balduinstein einen Kaffee getrunken haben. So sind wir diesem Regenguss entgangen. Wir machen einen kleinen Stopp in einer Parkanlage und überlegen, ob wir noch die 10 km bis Bad Ems weiterfahren oder ob hier in Nassau übernachten sollen. Wir sind jetzt bereits 50 km gefahren. Allerdings ist es erst 15 Uhr und der Himmel sieht inzwischen sehr vielversprechend aus. Wir beschließen, weiterzufahren. Wir buchen übers Internet schon unsere Hotelzimmer in Bad Ems: Hotel Prinz Eitel mit Lahnblick und im Zentrum und auch noch preiswert. Nur 96 € für beide Zimmer. Das wird vielleicht sehr einfach sein. Aber wer weiß.

Rast auf dem Lahnradweg in Nassau

Im Laufe der letzten 10 km wird das Wetter immer freundlicher. Wir radeln über Felder und Weiden, vorbei an schottischen Hochlandrindern mit zotteligem langem Fell. Plötzlich gibt es ein Problem mit Johannes‘ Fahrrad. Sein Motor hat regelmäßige Aussetzer. Keine Maßnahme hilft. Ich versuche es auch einmal mit verschiedenen Schaltungen. Nichts hilft. Wir haben jetzt nur noch 3 km zu fahren und schätzen, dass wir die auch mit den Aussetzern noch schaffen werden. Es ist das erste Mal, dass eins der Fahrräder Probleme hat. Plötzlich meldet Johannes, dass alles wieder in Ordnung ist. Er habe mal das Rad ganz ausgeschaltet und wieder eingeschaltet. Röbi flüstert mir zu: „Dafür ist jetzt wieder sein Licht an.“ Schon hören wir die Frage: „Wo schaltet man das Licht aus?“ Diese Frage kennen wir schon und antworten im Chor: „Zwei Sekunden lang auf + drücken.“

Schottisches Hochlandrind mit Kirschbaum vor der Lahn bei Dausenau

Um 16 Uhr erreichen wir Bad Ems mit seiner beeindruckenden Kurortkulisse. Wir durchqueren die ganze Stadt und finden unser wirklich sehr einfaches Hotel am anderen Rand der Innenstadt. Die überaus freundliche Wirtin zeigt uns die Fahrradgarage, die wieder einmal den Luxus von Steckdosen bietet. Dann suchen wir unsere Zimmer auf. Das Doppelzimmer begeistert uns total. Ein großes Panoramafenster bietet uns vom Bett aus einen Blick auf den Hügelzug „Hoher Malberg“ auf der anderen Lahnseite.

Hotel Prinz Eitel, Ausblick aus dem Panoramafenster

Das Abendessen nehmen wir im „Restaurant Estragon“ ein, einem sehr ansprechenden italienischen Restaurant, das ich vor Jahren bei einem Kurzurlaub in Bad Ems schon einmal mit meiner Schwester besucht habe. Den Rest des Abends lassen wir gemeinsam mit einer Flasche Rotwein am Panoramafenster unseres Doppelzimmers ausklingen, vor das ich den Schreibtisch platziert hatte, weil ich attraktive Schreibplätze so sehr liebe. Dort sitzen wir noch lange und lassen die wunderbare Reise Revue passieren.

Ein Gedanke zu „Von Limburg bis Bad Ems (Etappe 6)

  1. Hat mir große Freude gemacht, unsere tolle gemeinsame Reise noch einmal nach erleben zu dürfen. Du hast unsere gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen sehr schön herausgearbeitet.
    Gerne mit euch beiden jederzeit wieder eine solche Radtour.

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