Uni Leipzig

Vier Tage Leipzig (erster Tag: 20.11.2025)

Wir reisen mit dem ICE! Johannes und ich. Herrlich! Die Fahrt dauert trotz einmal Umsteigen nur 4:21 Stunden. Mit dem Auto wären wir von Köln bis Leipzig fünfeinhalb Stunden unterwegs. Der Umstieg in Frankfurt Flughafen Fernbahnhof klappt problemlos. Ich habe uns zwei Plätze mit Tisch am Fenster reserviert. Dafür habe ich nochmal zusätzlich 10 Euro gezahlt. Bei der Platzreservierung im Formular für die Super-Sparpreis-Senior-Tickets gab es leider nicht die Möglichkeit, den Platz auszusuchen. Später habe ich nachgeschaut, welche Plätze man uns da zugedacht hatte. Es waren Plätze ohne Tisch und sogar ohne Fenster, weil sich neben dem „Fensterplatz“ einfach nur Wand befand. Daraufhin habe ich nochmal neue Plätze für uns reserviert. Hier sitzen wir jetzt hochzufrieden. Ich packe mein Reisetagebuch aus und beginne schon auf der Fahrt zu schreiben.

Am Leipziger Hauptbahnhof nieselt es, als wir gegen 13:30 Uhr in unserem Wagon Nr. 1 ganz am Ende des nass glänzenden Gleises 13 eintreffen. Wir laufen riesigen bunten Leuchtschriften entgegen, die entlang dem berühmten „Querbahnsteig“ schon auf die möglichen Highlights unseres Leipzigbesuchs hinweisen: Thomanerchor, Gewandhausorchester, Oper Leipzig, Völkerschlachtdenkmal, neues Rathaus, Panometer. Sie ziehen meinen Blick hinauf zur hell leuchtenden gläsernen Dachkonstruktion, die den imposanten Bahnhof überspannt.

Leuchtschrift im Quergang des Leipziger Hauptbahnhofs

Unser Hotel, das Motel One am Augustusplatz, ist lt. google maps gerade mal neun Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Doch in welche Richtung wenden wir uns vom Gleis aus? Das Navi legt nahe, nach links zu gehen. Über eine Treppe gelangen wir in eine imposante Empfangshalle, die sich Halle West nennt. Ob es wohl auch eine Halle Ost gibt? Später lesen wir nach, dass es tatsächlich zwei große Eingangsgebäude gibt und dass diese Unterscheidung noch aus der Zeit der Eröffnung (1915) stammt. Damals gab es zwei getrennte Gesellschaften, die den Bahnhof betrieben, die Königlich Sächsische und die Preußische Staatseisenbahn.

Draußen auf dem Bahnhofsvorplatz müssen wir feststellen, dass wir besser zur Halle Ost gegangen wären. So müssen wir einmal das lang gestreckte Gebäude passieren, um auf die richtige Seite zu gelangen. Zum Glück hat es aufgehört zu nieseln.

Osthalle des Hauptbahnhofs von Leipzig

Wir schicken uns an, die stark befahrene mehrspurige Straße Richtung Zentrum zu überqueren. Das spezielle grüne Ost-Ampelmännchen, das uns eigentlich einen gefahrlosen Übergang gewähren sollte, scheint sich aber nicht um den regen Tramverkehr zu kümmern, der uns in dichtem Takt kreuz und quer von links und von rechts den Weg abschneidet. Wir schaffen es mit Müh und Not, den Bahnen zu entkommen und gelangen endlich hinüber. Alsbald erreichen wir die Ritterstraße, in der sich unser Hotel befindet. Schon jetzt sind wir fasziniert von den repräsentativen Hausfassaden und dem Blick auf den „Uni-Riesen“, auch „steiler Zahn“ genannt.

Ritterstraße Leipzig mit Uni-Riese im Hintergrund

Das Motel One befindet sich unmittelbar gegenüber der Nikolaikirche. Wir checken ein und fahren hoch in den 5. Stock. Begeistert stellen wir fest, dass das bodentiefe Fenster unseres Raumes auf die Ritterstraße hinausschaut und einen seitlichen Blick auf die Kirche erlaubt. Sofort schiebe ich den kleinen beweglichen Schreibtisch vors Fenster und platziere schon mein Reisetagebuch samt Füller darauf. Wir machen uns nur kurz frisch und starten gleich auf den ersten Rundgang. Wer weiß, wie lange es noch hell ist.

Natürlich besuchen wir zuallererst die Nikolaikirche, den Ausgangspunkt der friedlichen Revolution von 1989. Allerdings spielt für uns Chorsänger und glühende Bachverehrer auch eine nicht unwichtige Rolle, dass sie einer der Wirkungsorte von Johann Sebastian Bach gewesen ist. Für 2 Euro kaufen wir uns die Berechtigung, Fotos im Innenraum zu machen.

Nikolaikirche Leipzig

Jetzt lockt uns der Uni-Riese! Wir lassen uns von den Insidertipps der Schwägerin meines Patenkindes Britta leiten, die hier in Leipzig lebt. Es heißt, der Uni Riese wolle bezwungen werden. Man könne ganz nach oben, den tollen Ausblick über die Stadt genießen, insbesondere bei Sonnenuntergang. Der Name Uni-Riese verleitet uns, ins Universitätsgelände einzutreten. Die Ritterstraße führt in ihrer Fortsetzung über die Grimmaische Straße unmittelbar über eine Treppe in den Innenhof der Universität mit ihrem Denkmal des Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz. „Leibniz in Leipzig besuchen“. Das gefällt mir.

Der Uni-Riese ragt jetzt eindrucksvoll hoch vor uns auf. Nur wo ist der Eingang? Wir fragen eine Studentin. Sie weist uns freundlich den Weg, der zunächst einmal mitten durch das Hauptgebäude der Universität führt. Wir lassen uns von dem imposanten Foyer beeindrucken mit seinen Kunstobjekten und dem ausgedehnten Lernbereich mit Computerarbeitsplätzen. Wir schauen auch einmal in das Audimax hinein, den größten Hörsaal der Universität. Vereinzelt sitzen dort Studenten und Studentinnen in den aufsteigenden Reihen. Schade, dass wir nicht in eine Vorlesung hineinschnuppern können. Wir verlassen das Gebäude und treten hinaus auf den Augustusplatz. Gleich gegenüber lockt das Restaurant „Hans im Glück“ mit seinem interessanten Ambiente. Der ganze Innenraum ist mit Birkenstämmen gestaltet, die die Tische voneinander trennen. Das schafft eine urgemütliche besondere Atmosphäre. Wir gehen hinein und suchen uns einen Tisch am Fenster. Wir verspüren ein wenig Hunger. Immerhin haben wir außer unserem Reiseproviant noch nichts weiter gegessen.

Das Restaurant „Hans im Glück“ in Leipzig

Für heute Abend haben wir schon von zu Hause aus einen Tisch im „Weinstock“ am Markt reserviert. Deshalb wollen wir jetzt nur eine Kleinigkeit essen. Wir bestellen uns zwei Cappuccino und eine Portion knusprig frittierte Kringel mit Pistaziencreme. Wir lassen uns schon bald die Rechnung bringen, weil wir ahnen, dass es nicht mehr lange hell sein wird. Die freundliche junge Bedienung wirkt enttäuscht: „Haben Sie es so eilig?“ Wir erklären ihr, dass wir gerade erst in Leipzig angekommen sind und noch nichts gesehen haben. Das leuchtet ihr ein und sie wünscht uns viel Spaß in Leipzig.

Bevor wir endlich den Zugang zum „Steilen Zahn“ finden, irren wir noch eine Weile um den Turm herum. Versteckt in einer Ecke zwischen Turm und Uni geht es hinein. Bis zum 29. Stockwerk fahren wir mit dem Lift. Die Aussichtsplattform befindet sich im 31. Stock. Man gelangt über eine Treppe hinauf, nachdem man an einem Drehkreuz pro Person 5 Euro in Münzen eingeworfen hat. Die Aussicht von dort oben ist atemberaubend. Bevor wir auf die Stadt hinabblicken, blendet uns ein leuchtender Sonnenstreifen am Horizont, der das morgige sonnige Wetter schon ankündigt.

Blick vom Uni-Riesen auf Leipzig mit dem neuen Rathaus im Zentrum

Gerne möchten wir im Anschluss das „Paulinum“ besuchen, das die Aula der Universität mit der Universitätskirche St. Pauli verbindet. Es wurde an derselben Stelle errichtet, an der die DDR-Regierung 1968 die Historische Paulinerkirche sprengen ließ. Im Erdgeschoss wurde der spätgotische Kirchenraum in moderner, lichtdurchfluteter Architektur nachempfunden. Das schneeweiße Netzgewölbe aus Beton erzeugt im Zusammenspiel mit dem Licht einen schwebenden Eindruck. Auch die tragenden Elemente sind so leicht und schwebend gehalten. Sie bestehen aus von innen beleuchteten bedruckten Glasplatten. All das haben wir uns schon angelesen und sind nun sehr gespannt auf diese Kombination aus Aula und Andachtsraum, die je nach Anlass durch eine bewegliche hohe Glaswand getrennt werden können.

Durch das Foyer des Hauptgebäudes gelangen wir zum Eingang des Andachtsraumes. Leider ist die Tür verschlossen. Ein Aushang informiert uns darüber, dass er erst übermorgen geöffnet sein wird.

Paulinum von außen

Es beginnt schon langsam zu dämmern, dabei ist es erst 16 Uhr. Wir befinden uns ja auch viel weiter im Osten gegenüber Köln, wo es momentan erst gegen 17 Uhr dunkel wird. Wir schlendern noch zur Oper hinüber und zum Gewandhaus, und tauchen dann in den Innenstadtbereich ein, der schon angefüllt ist mit Weihnachtsmarktbuden, die allerdings erst am Dienstag öffnen werden. Wir marschieren bis zum Markt mit dem Alten Rathaus und den prächtigen Hausfassaden aus der Zeit des Barock und der Renaissance. Die Weihnachtsbuden verstellen leider ein wenig den Blick auf diese fantastische Kulisse.

Leipziger Markt mit Weihnachtsmarktbuden

Inzwischen ist es ganz dunkel geworden. Wir sind müde und es ist eiskalt. Wir kehren zu unserem Hotel zurück und ruhen uns ein wenig aus, bevor wir zu unserem Abendprogramm aufbrechen.

Restaurant „Weinstock“ am Markt in Leipzig

Kleine Rätselfrage: Im Spiegel links im Bild spiegelt sich der Name des Restaurants, dessen Schriftzug sich auf dem gegenüberliegenden Fenster befindet. Warum ist der Name nicht in Spiegelschrift zu sehen?

Fortsetzung folgt demnächst!

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